Wenn beim Schnarchen der Atem stockt
Schnarchen ist meist harmlos und stört einzig den Bettnachbarn. Kommt es jedoch während des Schnarchens zu kurzzeitigen Atempausen, könnte es sich um das Schlafapnoe-Syndrom handeln.
Extreme Tagesmüdigkeit am Steuer kann
gefährlich sein.
© Lungenliga Schweiz
Sind Sie tagsüber oft extrem müde und Ihr Bettnachbar beklagt sich über Ihre lauten Schnarchgeräusche in der Nacht? Das könnten erste Hinweise auf eine so genannte Schlafapnoe sein. Das Wort «apnoia» stammt aus dem Griechischen und bedeutet frei übersetzt Atemstillstand. Atemaussetzer und lautes, unregelmässiges Schnarchen sind denn auch die Hauptmerkmale einer Schlafapnoe. Die Lungenliga Schweiz geht davon aus, dass hierzulande rund 150 000 Menschen an diesem Syndrom leiden – meist ohne es zu wissen. Im Vergleich zum «normalen» Schnarchen haben Betroffene in der Nacht zwischen fünfzig und mehrere hundert Atempausen. Das Stocken des Atems setzt Stresshormone im Körper frei, die den Blutdruck hochjagen und den Atem wieder einsetzen lassen. Der Schnarcher bekommt davon in der Regel nichts mit. Er wacht zwar kurz auf, die Zeit reicht jedoch nicht aus, damit das Gedächtnis es registrieren könnte.
Hinweise auf eine allfällige Schlafapnoe machen sich in der Regel erst tagsüber in Form von extremer Müdigkeit, Kopfschmerzen oder verminderter geistiger Leistungsfähigkeit bemerkbar. Gemäss der Lungenliga Schweiz kann dies auch im Strassenverkehr fatale Folgen nach sich ziehen. Untersuchungen zeigen, dass bis zu 25 Prozent aller Verkehrsunfälle durch Einschlafen am Steuer verursacht werden. Zudem steigt mit Schlafapnoe das Risiko von Herzkreislauf-Erkrankungen, Männer ab Vierzig sind etwa doppelt so häufig davon betroffen wie Frauen.
Die Risikofaktoren
Für die Entwicklung einer Schlafapnoe kann eine vererbte Schwäche der Rachenmuskulatur verantwortlich sein. Im Schlaf verschliessen die schlaffen Rachenmuskeln und Weichteile die Atemwege und es kommt zu den typischen Atempausen. Zu den häufigsten Risikofaktoren gehören Übergewicht, übermässiger Alkoholkonsum, Rauchen sowie die regelmässige Einnahme von Schlaf- und Beruhigungsmitteln. Weiter können enge Stellen im Nasen-Rachen-Raum sowie vergrösserte Mandeln zu einer Schlafapnoe führen.
Machen Sie den Test
Mit dem Risikotest der Lungenliga Schweiz können Interessierte ganz einfach online herausfinden, ob ein erhöhtes Apnoe-Risiko vorliegt und ob ein Besuch beim Hausarzt oder der Hausärztin empfehlenswert ist. Nach einer ausführlichen Anamnese zu Beschwerden und Schlafgewohnheiten folgen erste Untersuchungen, die Betroffene mithilfe tragbarer Geräten zu Hause durchführen können. Technisch aufwendigere Abklärungen erfolgen im Schlaflabor. Erhärtet die Diagnose den Verdacht an Schlafapnoe zu leiden, wird eine individuelle Therapie eingeleitet.
Zurück zu gesundem Schlaf
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CPAP-Therapie: Bei der Schlafapnoe gibt es verschiedene Behandlungsformen. Die am längsten erprobte und am meisten verbreitete, ist die sogenannte CPAP-Therapie. CPAP (Continuous Positive Airway Pressure) bedeutet kontinuierliche nächtliche Überdruckbeatmung über eine Nasenmaske. Haben sich die Betroffenen einmal an das Tragen der Maske gewöhnt, fühlen sie sich bereits nach einigen Nächten ausgeruhter.
Quelle: Velumount
Schnarchspange: Die so genannte Schnarchspange ist eine weitere Möglichkeit, Schlafapnoe zu begegnen. Dabei werden für die Schlafzeit feine Drahtschlaufen in die Mundhöhle eingesetzt und so ein Verschliessen des Luftkanals hinter dem Gaumensegel und der Zunge verhindert. Das sichert einen widerstandsarmen Luftdurchlass im Schlafzustand und verhindert Atemunterbrüche und lärmerzeugende Vibrationen direkt am Entstehungsort.
Die Schnarchspange wurde vor einigen Jahren vom Berner Arthur Wyss erfunden. Sie ist weit weniger kostenintensiv und anwenderfreundlicher im Gegensatz zur CPAP-Methode. Lange wurde die Methode in Fachkreisen kritisch beäugt oder gar ignoriert, da wissenschaftliche Daten fehlten. Jüngst publizierte das weltweit anerkannte Medizinjournal «Journal for Oto-Rhino-Laryngologia (ORL)» die erste Studie, die wissenschaftliche Belege für die Wirksamkeit der Methode liefert. Es konnte bewiesen werden, dass die Verwendung der Schnarchspange nicht nur gegen harmloses Schnarchen, sondern auch gegen krankhafte Atemunterbrüche im Schlaf hilft.
Eine weitere Behandlungsmöglichkeit sind kieferorthopädische Apparaturen, die nachts wie Zahnspangen angelegt werden. Sie bewirken einen Vorschub des Unterkiefers, was im Rachen etwas mehr Platz verschafft und somit ebenfalls den Atemwiderstand senkt. In Einzelfällen kann die Schlafapnoe auch mithilfe eines chirurgischen Eingriffs an Nasennebenhöheln oder am Gaumensegel behandelt werden.
Entscheidend bei der Wahl der Therapieform ist, dass bei jedem Patienten ein individuelles Therapiekonzept entsprechend seinem Krankheitsbild erstellt wird.
Unabhängig von der Art der Behandlung, sollten Übergewichtige Patienten versuchen, ihr Gewicht zu reduzieren. Dies trägt ebenfalls zur Besserung der Schlafapnoe bei. Unser umfassender Gesundheitstest im Mitgliederbereich «myVita» hilft Ihnen, frühzeitig verhaltensbedingte Risiken wie Übergewicht, Bluthochdruck usw. zu erkennen und liefert einen persönlichen Leitfaden zum Schutz Ihrer Gesundheit.
Quellen: Lungenliga Schweiz, Studie «Therapy of Snoring and Obstructive Sleep Apnea Using the Velumount Palatal Device» von Prof. Kurt Tschopp.
Autor und Redaktion: Didier Buchmann