Natürlich einschlafen
Wer regelmässig mit Schlafstörungen zu kämpfen hat, sollte etwas dagegen unternehmen. Die Kraft bewährter Heilpflanzen verhilft zurück zu süssen Träumen.
Der Schlaf fristet in unserem Leben meist ein Schattendasein – es sei denn, er macht sich durch längere Absenzen unangenehm bemerkbar. Rund ein Viertel der Bevölkerung kann von einem gesunden Schlaf nur träumen. Mit dem abendlichen Lichterlöschen beginnt für sie die Sorge um den fehlenden oder schlechten Schlaf.
Emotionale Ursachen von Schlafstörungen
«Man kann nicht den ganzen Tag über hetzen und abends auf Knopfdruck abschalten», erklärt die Psychologin Eva Birrer Strassfeld von der Klinik für Schlafmedizin in Luzern. Für sie ist es ganz natürlich, dass man ab und zu nicht die nötige Entspannung zum Schlafen findet. Wer sich jedoch regelmässig im Bett wälzt, sollte sein Schlafproblem genauer unter die Lupe nehmen. Die Ursachen von Schlafstörungen reichen von Stress am Arbeitsplatz über familiäre Probleme bis hin zu depressiven Verstimmungen. Die meisten Störungen können bereits mit einer Verbesserung der Schlafhygiene behoben werden.
Bringen Sie Ihren Schlaf zu Papier
Wer seine Schlafstörungen langfristig lösen will, sollte sich als Erstes über seine Schlafgewohnheiten im Klaren sein. Aufschluss darüber kann ein Schlaftagebuch geben. Dabei werden verschiedene Punkte wie Schlafdauer, Müdigkeit, empfundene Schlafqualität usw. detailliert aufgeschrieben. Das Schlaftagebuch sollte mindestens vierzehn Tage lang jeweils nach dem Zubettgehen und am Morgen nach dem Aufstehen ausgefüllt werden. Oft wird Betroffenen bewusst, dass sie eigentlich mehr schlafen als bisher angenommen. Dies hat damit zu tun, dass die Zeitwahrnehmung nachts verschoben ist: Viele Menschen liegen fünfzehn Minuten wach und denken, es seien sechzig. Und so mancher meint, er habe nachts wach gelegen und über ein Problem nachgedacht. In Tat und Wahrheit schlief er jedoch tief und fest. Ein Schlaftagebuch zum Ausdrucken finden Sie in der Rubrik «Downloads».
Vorsicht mit allopathischen Schlafmitteln
Der Griff zu chemischen Schlafmitteln ist nicht nur die einfachste, sondern auch die gefährlichste Methode, um nachts zur Ruhe zu kommen. «Schlafmittel auf der Basis von Benzodiazepinen machen schon nach zwei bis drei Tagen abhängig. Setzt man diese dann wieder ab, hat man erst recht Ein- und Durchschlafstörungen», erklärt Albert Wettstein, Leiter des Stadtärztlichen Dienstes in Zürich. Dennoch greifen in der Schweiz rund sechzehn Prozent der 65- bis 74-Jährigen regelmässig zu Beruhigungs- und Schlafmitteln. Werden solche Medikamente über längere Zeit eingenommen, führen sie häufig zu Nebenwirkungen wie Gedächtnisstörungen, Schwindel und erhöhter Sturzgefahr. Ausserdem verändern chemische Schlafmittel die Schlafstruktur, indem sie die REM-Phase und den Tiefschlaf verkürzen. Auch das Gesundheitsmagazin «Hippokrates» auf Arte TV hat sich unter dem Titel «Schlafseminare statt Schlaftabletten» mit dem Phänomen des Schlafens auseinandergesetzt. Zum Video gelangen Sie hier.
Pflanzliche Schlafhüter aus der Drogerie
Liegen keine organischen Beschwerden vor, bringen Heilkräuter, möglichst in Kombination mit Entspannungstechniken, oft den gewünschten Erfolg. Ihre Drogistin oder Ihr Drogist kann Ihnen eine schlaffördernde Heilpflanze in homöopathischer oder spagyrischer Form als Tropfen, Tinktur oder Tee empfehlen. Wer sich für einen Tee entscheidet, ist mit folgendem Tipp gut beraten: «Inhalieren Sie zuerst den Dampf des Tees, bevor Sie ihn trinken. Die verdampften Teestoffe wirken direkt auf das Gehirn und beruhigen sofort», rät die diplomierte Drogistin Claudia Goetz von der Drogerie Teufer im zürcherischen Pfäffikon. Mit dem Trinken des Tees tritt dann zusätzlich die länger anhaltende Wirkung ein. Bei Einschlafstörungen empfiehlt Claudia Goetz, die schlaffördernde Arznei schon am späteren Nachmittag einzunehmen. Bei Durchschlafstörungen hingegen erst direkt vor dem Zubettgehen. Folgende natürlichen Mittel haben sich bei Schlafstörungen sehr bewährt.
- Baldrian: Die wohl bekannteste Schlafpflanze beruhigt und wirkt einschläfernd. Halten Sie sich aber an die empfohlene Dosierung: Eine Überdosis kann Herzklopfen oder nervöse Beschwerden hervorrufen.
- Taigawurzel: Hilft bei Stress und verbessert die Belastbarkeit, was sich positiv auf die Schlafqualität auswirken kann.
- Johanniskraut und Passionsblume: Sind nur in homöopathischer und spagyrischer Form erhältlich und helfen bei Schlafstörungen in Zusammenhang mit depressiven Verstimmungen.
- Hopfen, Melisse, Orangenblüten und Lavendel: Wirken krampflösend und beruhigend. In ein Duftkissen eingenäht, kann Lavendel die ätherischen Öle nachtsüber entfalten.
- Coffea: Kaffee in homöopathischer Dosierung hilft, den Gedankenfluss zu unterbrechen. Dieses Mittel kann auch nachts eingenommen werden.
- Löwenzahn und Mariendistel: Regelmässiges Erwachen zwischen ein und drei Uhr nachts kann ein Hinweis auf die Leber sein, die um diese Zeit besonders intensiv arbeitet. Neben einer Leberkur mit Löwenzahnwurzel und Mariendistel hilft auch Nux vomica. Oft stört die Leber den Schläfer auch nach einem späten, üppigen Nachtessen: Lässt sich dieses nicht vermeiden, nehmen Sie Ihrer Verdauung zuliebe wenigstens ein Bittermittel (z. B. Tinktur, Globuli, Tee) vor dem Essen ein.
- Magnesium, evtl. mit Calcium phosphoricum kombiniert: Diese beiden Schüssler-Salze helfen, wenn man nachts von Krämpfen geweckt wird. Bei akuten Beschwerden können Sie zehn Tabletten auf ein Glas warmes Wasser einnehmen. Bei Bedarf wiederholen.
Irrtümer rund um den Schlaf
Zum Thema Schlaf kursieren jede Menge Weisheiten. Viele davon sind blanker Unsinn. Die grössten Irrtümer im Überblick:
- Der Schlaf vor Mitternacht bringt am meisten.
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Stimmt nicht! Für das Erholungsgefühl scheint zwar die erste Hälfte des Nachtschlafes am wichtigsten zu sein, da zu dieser Zeit die Tiefschlafanteile besonders hoch sind. Ob diese erste Hälfte allerdings vor oder nach Mitternacht liegt, ist egal.
- Mann muss jede Nacht mindestens acht Stunden schlafen.
- Stimmt nicht! Die optimale Schlafdauer ist sehr individuell. Einige Menschen brauchen neun Stunden, um sich fit zu fühlen, andere sind schon nach fünf Stunden gut erholt. Massgebend ist vor allem die Qualität des Schlafes.
- Wer stressige Zeiten vor sich hat, sollte vorschlafen.
- Stimmt nicht! Sich ein «Schlafdepot» anzulegen, funktioniert leider nicht. Es ist jedoch von Vorteil, ausgeruht an eine neue Herausforderung heranzutreten.
- Alkohol ist ein gutes Schlafmittel.
- Stimmt nicht! Alkohol macht zwar müde, hat aber einen negativen Einfluss auf die Schlafqualität.
- Wer nachts aufwacht, leidet unter Schlafstörungen.
- Stimmt nicht! Wir erwachen durchschnittlich 28-mal pro Nacht. Wir können uns daran am nächsten Morgen jedoch nicht erinnern, da das Erwachen jeweils nur Bruchteile einer Minute dauert.
- Wer schlecht einschlafen kann, sollte früher ins Bett gehen.
- Stimmt nicht! Wenn der Betroffenen noch gar nicht müde ist, kann es zu Einschlafstörungen kommen. Viel eher versucht man es mit «Schlafentzug». Das heisst, man legt sich tagsüber keinesfalls hin und versucht abends möglichst lange durchzuhalten. So wird die Müdigkeit gross genug, um in erholsamen Schlaf zu sinken.
- Ältere Menschen brauchen weniger Schlaf.
- Stimmt nicht! Lediglich die Tiefschlafphasen werden mit zunehmendem Alter geringer. Ausserdem machen ältere Leute eher auch tagsüber mal ein Nickerchen. Das führt dazu, dass sie nachts nicht mehr so lange schlafen müssen und morgens früh fit sind.
Autoren: Elisabeth Küpfert, Didier Buchmann
Redaktion: Didier Buchmann